Abenteuer Forschung Fall 1: Joshua und Jericho

Doch wollen wir konkret werden. Der erste wissenschaftlich untersuchte religiöse Fall dreht sich um Joshua – oder auch Josua – und den Fall der Mauer von Jericho. Die Bibel berichtet, dass Joshua und das Volk Israel den Jordan überquerten – übrigens trockenen Fußes – ählich wie beim Durchzug durch’s Rote Meer – und danach die Stadt angriffen. Sie umrundeten Jericho mehrmals und beim Ton der Posaunen – eigenlich Shofar – Widderhörner – und dem Kriegsgeschrei stürzten die Mauern von Jericho ein.

Was hat nun die Wissenschaft festgestellt?

  • Jericho existierte.
  • Die Mauern sind eingefallen.
  • Die Mauer bestand aus Lehmziegeln, die mit weichem Lehm verfugt wurden
  • Die Schwingungen von Shofar Hörnern können losen Gips zum Rieseln bringen.
  • Sie können aber keine getrockneten Lehmziegel zerstören.
  • Jericho ist Erdbebengebiet.
  • Die Erdbeben wurden zu einer anderen Zeit datiert als der Zeit Joshuas.
  • Erbebenbedingte Erdrutsche ließen bereits beobachten, dass der Jordan sich für zwei Tage staute, so dass Teile des Jordans ausgetrocknet waren.

Eine interessante Liste von Fakten. Welche Schlussfolgerungen zieht Prof. Lesch daraus?

Die Posaunen, so die Wissenschaftler, können die Mauer nicht zum Einsturz gebracht haben.

Halt mal! Ich dachte, sie können den Lemziegel nicht zerstört haben. So weit so gut. Akzeptiert. Aber die Mauer nicht zum Einsturz? Das ist doch ein wenig schnell. Was, wenn die Posaunen den weichen Lehm zwischen den Ziegeln gelöst hat? Ich weiß nicht, ob es so war, aber es wäre immerhin eine Erklärung, die gar nicht erwähnt wurde. So gesehen ist die Schlussfolgerung ziemlich abenteuerlich.

Doch diese Schlussfolgerung ist noch abenteuerlicher:

Eine zuverlässige historische Quelle ist die Bibel nicht!

Hallo! Man hat Jericho gefunden. Man hat gefunden, dass die Mauern eingestürzt sind. Man räumt ein, dass Joshua mit dem Volk Israel zu einer gewissen Zeit Jericho erobert hat. Man hat gesehen, dass es möglich ist, dass der Jordan sich staut und trocken liegt.

Aber warum ist dann die Bibel keine historisch zuverlässige Quelle? Nur weil Wissenschaftler sich 2 denkbare Erklärungsmodelle für den Mauerfall überlegt haben (Lehmziegel und Erdbeben), die nicht verifiziert werden konnten. Da ist so wie wenn bei einem Bankraub gesagt wird: Der Räuber hatte keinen Schlüssel und er ist nicht mit Dynamit eingedrungen. Also ist das Geld noch im Safe. Nein. Es ist weg – es gibt noch mehr als eine andere mögliche Erklärungsmöglichkeit. Nur weil es dem Kommissar ein wenig an Inspiration fehlt, ist noch nicht die Schlussfolgerung möglich, dass nichts geschehen ist.

So wird argumentiert. Man meint, jedem müsse dieser logische Fehler sofort auffallen.

Und hier wird es eben spannend. Wissenschaftler werden manchmal zu sehr verklärt. Ihre Aussagen haben den Nimbus der Unfehlbarkeit – sie sind ja Wissenschaftler. Ich will ihre Faktenerkenntnisse nicht in Zweifel ziehen. An anderer Stelle wäre das sicher auch interessant. Aber auch Wissenschaftler haben die Pflicht sich in ihrer Argumentation an die Regeln der Logik zu halten. Diese Pflicht kann man ihnen nicht abnehmen.

Und die Aussage, der Josuabericht stünde den Naturwissenschaften entgegen ist ebenso falsch. Wir haben beim Jordanbeispiel gesehen, dass unerwartete einmalige Ereignisse Phänomene bewirken können, die außerhalb der Regel liegen. Es ist schlicht unmöglich, das naturwissenschaftlich auszuschließen.

Niemand erwartet, dass historische Ereignisse naturwissenschaftlich bewiesen werden müssen, damit sie glaubhaft sind. Umgekehrt schließt Prof. Lesch aus der Tatsache, dass es nicht gelungen ist, dass das historische Ereignis nicht stattgefunden hat. Das ist nicht zulässig. Zumal die archäologischen Funde es ja stützen.

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