Jesus Kar-O?

Jesus steht vor dem Hohen Rat, einem religiösen Inquisitionsgericht. Warum eigentlich? Man weiß es nicht so genau. Er hat provokante Aussagen gemacht – ja. Aber das an sich ist kein Verbrechen. Die Zeugen widersprechen sich, das Gerichtsverfahren hat sich festgefahren. Man kann ihm keine Schuld nachweisen. Da ergreift der oberste Richter das Wort, der Hohe Priester:

Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du nichts? Was zeugen diese gegen dich? Jesus aber schwieg. Und der Hohepriester sagte zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes! (Mt 26, 62-63, Elberfelder 1985)

Der Hohe Priester war kein dummer Mann – ein sehr intelligenter und mit analytischem Verstand ausgestatteter Mensch, der den Respekt vieler genoss. Er traf nun mit seiner Frage den Nagel auf den Kopf. Worum ging es denn eigentlich in diesem ganzen Gerichtsverfahren?

Eben genau um diese eine Kernfrage: Jesus – ist er Gottes Sohn – ja oder nein? Klare Ansage. Keine Ausflüchte.

Ein paar politisch korrekte Antworten hätte es vielleicht schon gegeben.

Ich bin ein Prophet – wie viele Propheten.

Oder

Ich will ja nur, dass die Menschen besser miteinander auskommen.

Oder

Ich habe keine festen Ansichten, ich gebe nur Gedankenanregungen weiter und ansonsten stehe ich für den Dialog zwischen den Religionen.

Das alles hätte Jesus den Kopf gerettet. Nur einmal im Leben hätte er eine butterweiche Antwort geben müssen, ein wenig ausweichen, relativieren, hinterfragen, andere Ansichten tolerieren – er wäre gerettet gewesen. Er hätte nicht verurteilt werden können. Es lag kein Schuldbeweis vor.

Doch was sagt er also nun?

Jesus spricht zu ihm: Du hast es gesagt. Doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels. (Mt 26, 64, Elberfelder 1985)

Jesus sagt: Ja, ja und nochmals ja. Ich bin Gottes Sohn. Du hast es selbst gesagt. Ich bin der Messias, auf den Israel wartet, ja die ganze Welt, ja. Und ja – nicht genug damit. Sondern eigentlich sitzt nicht Du, Kaifas, Hoher Priester, auf dem Richterstuhl, sondern ich. Mein rechtmäßiger Platz ist nicht der eines Angeklagten, sondern der zur Rechten der Macht – zur Rechten Gottes – von dort werde ich kommen und die ganze Erde richten, und auch dich Kaifas.

Deutlicher kann man sein eigenes Todesurteil vor einem religiösen Inquisitionsgericht nicht unterschreiben. Deutlicher kann man es nicht sagen. Klarer ist die Frage nicht zu beantworten. Er sagt alles das, von dem er weiß, dass es keiner der Anwesenden hören will. Beschwichtigung sieht anders aus.

Und so geht Jesus in den Tod. Erhobenen Hauptes, majestätisch, königlich. Er blieb der Wahrheit treu. Er blieb seine Mission treu und blieb seinem Vater im Himmel treu. Und wenn die ganze Welt und die ganze Hölle gegen ihn steht – er bleibt bei seiner Aussage.

Und alle die sagen: Ach – Jesus – der war ein guter Mensch, ein Prophet – jaaaaa. Ein Lehrer. Netter Kerl eben. Die haben NICHTS, aber auch GAR NICHTS verstanden. Jesus lässt sich nicht relativieren. Von niemandem. Er beschwichtigt nicht, er ist nicht unklar. Man glaubt ihm entweder – oder man lässt es eben bleiben. So einfach.

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