Kalt erwischt

Sie hatten es sich so schön vorgestellt. Dieser Jesus war ein ständiges Ärgernis für sie gewesen. Doch jetzt war endlich Ruhe. Tot, gekreuzigt, hingerichtet. Selbst schuld. Warum muss er auch so provozieren? Er war gewarnt worden, oft genug. Damit muss er eben rechnen. Wäre er nur still geblieben. Aber nun war er still. Für immer.

Ein wohliges Gefühl breitet sich aus. Jetzt haben sie die Lage wieder unter Kontrolle. Die religiösen Führer und die politischen Führer waren sich einig. Was selten genug vorkam. Frieden und Ruhe.

Ja – nun konnten die Römer nach Rom berichten, dass die zivile Ordnung wieder hergestellt sei. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder verrückte Prediger gleich einen Aufruhr verursachen würde? Diese Provinz war ohnehin ein ständiges Ärgernis mit ihren religiösen Spinnern. Schließlich leben wir in einer toleranten Welt, viele Völker im römischen Reich haben viele Götter und der Frieden kann nur dauerhaft hergestellt werden, wenn jeder akzeptiert, dass er die Religionen des anderen Volkes toleriert, und keinen verrückten Exklusivitätsanspruch hat wie der Sohn Gottes zu sein. Schließlich gibt es viele Götter. Für jedes Bedürfnis einen. Jeder Mensch kann sich selbst seine Götter zusammenstellen, wie er es eben gerne möchte. So lange alle akzeptieren, dass der Kaiser – und nur der Kaiser – die Regeln macht.

Und die religiösen Führer können endlich wieder ihrem Tagesgeschäft nachgehen. Es ist schließlich auch viel Arbeit, die ganzen Gebete und Feiern, die ganzen Debatten über religiöse Regeln und die ganzen religiösen Übungen zu verrichten. Schließlich werden sie von vielen Menschen gefragt, wie sie dies und das tun sollen, und ja – das ist es auch, was sie genießen. Schließlich verleiht es ein Gefühl der Wichtigkeit sagen zu können: Gott nimmt Dich nur an, wenn Du dies oder das tust. Es verleiht Anerkennung und Macht. Und ja – diese Macht – die hat schon was. Sie haben schon verstanden, wie sie die etwas weniger gebildeten Menschen steuern können. Manipulieren würde man hier nicht sagen wollen. Auf jeden Fall ist es gut, wieder das Heft in der Hand zu halten. So ein eingebildeter Gottessohn – wo kämen wir da hin? Dann wären sie ja überflüssig. Jeder Mensch könnte direkten Kontakt mit Gott aufnehmen, ohne die religiösen Führer. Nein – es kann nicht sein was nicht sein darf. Nur sie verstehen die religiösen Schriften richtig, schließlich erfordert es viel Studium sie zu verstehen. Und nicht so eine Bande von Zimmerleuten und Fischern, diese, diese ungebildeten … Wichtigtuer.

Nun ist dieser Jesus kalt gestellt. Hoffentlich zumindest. Wenn da nicht dieses Gerede von einer Auferstehung wäre. Wer glaubt denn an so was? Tot ist tot. Keiner ist je von den Toten zurückgekehrt. Gut – zumindest bevor das Gerücht aufkam, Jesus hätte Lazarus von den Toten erweckt. Und die Tochter des Jairus. Und noch so ein oder zwei. Naja – Gerüchte. Wer glaubt so etwas? Dumm nur, dass selbst in den Propheten schon von der Auferweckung Toter berichtet ist. Elias hat einen Jungen vom Tode erweckt. Aber das haben wir, die religiösen Führer – elegant wegdiskutiert. Wir glauben einfach nicht an Auferstehung und an Engel und dergleichen Aberglauben. Wir sind rational. So behalten wir die Kontrolle. Hoffen wir.

Jesus ist das alles recht egal. Er steht einfach auf. Am Ostermorgen. Er war hinabgefahren in das Reich des Todes und hat Gefangene befreit, doch jetzt, am dritten Tag, da ist er auferstanden. Er kümmert sich um die wirklich wichtigen Dinge.

Tod wo ist Dein Stachel – Hölle wo ist Dein Sieg?

Ich bin die Auferstehung und das Leben, sagt Jesus.

Und so gilt, was das Evangelium verkündigt:

Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus.(1. Tim 2, 5, Elberfelder 1985)

Die religiösen Führer können abdanken. Sie werden nicht mehr gebraucht. Kalt erwischt.

Und der Kaiser – wie hieß er eigentlich noch einmal? Kalt erwischt.

Seht, man musste sie begraben, die der Welt Gebote gaben, und ihr Wort hat nicht Bestand. Ihre Häuser wurden Trümmer, ihre Münzen gelten nimmer, die man in der Erde fand. Ihre Namen sind verklungen, ihre Lieder ungesungen, ihre Reiche menschenleer. Ihre Spiegel sind zerbrochen, ihre Sprachen ungesprochen, ihr Gesetz gilt längst nicht mehr.

Jesu Name wird bestehen, Jesu Reich nicht untergehen, sein Gebot gilt alle Zeit. Jesu Wort muss alles weichen und ihn kann kein Tod erreichen. Jesus herrscht in Ewigkeit.

Frohe Ostern!

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