Warum gleich so rabiat ?

Manch einer ist beim Lesen des letzten Posts vielleicht über diese Stelle gestolpert, kann ich mir vorstellen:

Obwohl sie Gottes Rechtsforderung erkennen, daß die, die so etwas tun, des Todes würdig sind, (Römer 1,32a)

Hoppsa – dachte da sicher der eine oder andere. Warum gleich so rabiat?! Sollte Paulus hier einer geistigen Nähe zur religiös motivierten Gewalttat Ausdruck verleihen?

Nichts könnte ferner von der Wahrheit sein.

Ja, Paulus war gewalttätig – als er noch Saulus hieß. Paulus übte religiös motivierte Gewalt aus. Das war, bevor er sich zum Glauben an Jesus Christus bekehrte, nachdem er Jesus auf der Straße nach Damaskus begegnet war. Er schreibt darüber:

Ich danke Christus Jesus, unserem Herrn, der mir Kraft verliehen, daß er mich treu erachtet und in den Dienst gestellt hat,
der ich früher ein Lästerer und Verfolger und Gewalttäter war; aber mir ist Barmherzigkeit zuteil geworden, weil ich es unwissend im Unglauben getan hatte;
überströmend aber war die Gnade unseres Herrn mit Glauben und Liebe, die in Christus Jesus sind.
Das Wort ist gewiß und aller Annahme wert, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, Sünder zu erretten, von welchen ich der erste bin.
(1Tim 1, 12-15, Elberfelder 1985)

Paulus war ein religiöser Extremist gewesen, bevor er Jesus begegnet war. Er verfolgte die Jünger Jesu mit dem Schwert. Er ist sich dieser Schande wohl bewußt, aus welchem Grund er sich als den ersten der Sünder, oder als den größten Sünder bezeichnet. Er weiß, dass er zu diesem Zeitpunkt verblendet gewesen ist.

Jesus selbst hat religiös motivierte Gewalttaten vorhergesagt:

Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen; es kommt sogar die Stunde, daß jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst zu tun.
Und dies werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben.
(Joh 16, 2-3, Elberfelder 1985)

Allerdings wird durch diese Aussagen klar, dass sowohl Jesus als auch Paulus sich Lichtjahre davon distanzieren.

Wir kennen vielleicht auch die Begebenheit, in der die Ehebrecherin zu Jesus gebracht wird, um von den Religiösen gesteinigt zu werden. Wie reagiert Jesus?

Als sie aber fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.
(Joh 8, 7, Elberfelder 1985)

Jesus richtet sich gegen die Verurteilung der Ehebrecherin. Er macht ihnen klar, dass sie selbst nicht gerechter dastehen, wenn sie sie verurteilen, sondern dass sie selbst so voller Sünde sind, dass ihnen nicht ansteht, dies zu tun. Im Ergebnis wird sie nicht verurteilt und nicht gesteinigt. Eine Lehre, die sich viele religiöse Eiferer dieser Tage hinter die Ohren schreiben sollten.

Später in der Diskussion mit den Religiösen sagt Jesus:

Jesus redete nun wieder zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Joh 8, 12, Elberfelder 1985)

sowie

Daher sagte ich euch, daß ihr in euren Sünden sterben werdet; denn wenn ihr nicht glauben werdet, daß ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben.
(Joh 8, 24, Elberfelder 1985)

Jesus stellt hier also einen klaren Gegensatz auf. Auf der einen Seite Licht und Leben, das mit dem Glauben an ihn verbunden ist. Auf der anderen Seite Sterben in den Sünden, das mit dem Unglauben an ihn verbunden ist. Denn wir haben ja schon früher gelernt, dass Jesus denen, die an ihn glauben, ewiges Leben verspricht, Leben, das über den natürlichen Tod hinausgeht.

Nachdem dies geklärt ist, können wir den Ursprungsvers so fassen, dass er leichter verständlich ist.

Obwohl sie Gottes Rechtsforderung erkennen, daß die, die so etwas tun, auf eine Verlängerung des Lebens über den natürlichen Tod hinaus keinen Anspruch haben, (Römer 1,32a -  eigene Übertragung)

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