Erlöst – doch wovon eigentlich?

“Darüber kann man diskutieren!” Ein Satz aus der Karfreitagspredigt der FeG WiWa von Fred Ritzhaupt dem ich vorbehaltlos zustimmen kann.
Man kann nicht, nein man muss darüber diskutieren.
In Zeiten der gegenwärtigen Kontaktverbote geht das nur elektronisch – aber das kann ja sogar ganz belebend sein.

Es ist unmöglich auf alles einzugehen, was FR gesagt hat, weil es zu viel wäre. 
Darum gleich zum Wichtigsten: Die Lehre der Erlösung.

Ich empfand die Predigt als einen Generalangriff auf die Lehre der stellvertretenden Sühne durch Jesu Kreuzestod.
Vielleicht irre ich mich, dann freue ich mich über eine Erläuterung.

FR eröffnete die Predigt damit, dass er sich beim Karfreitag in der Vergangenheit nicht wohl gefühlt hat wegen des mit dem Feiertag unterschwellig verbundenen Vorwurfs, dass Jesus wegen meiner, unserer Sünde starb. Dies kam ihm schon immer komisch vor. Darüber hat er dann nachgedacht. Und dann überall irgendwo Hinweise gefunden, die ihm weiterhalfen.

Wo verrät er nicht. Womöglich in der Bibel? Da habe ich so meine Zweifel. Denn die Bibel ist in der Hinsicht klar und eindeutig. Mehr dazu später.

Weiter erklärt FR, dass die Schreiber des neuen Testamentes ganz unter dem Einfluss des Tempel Kultes des alten Testamentes ihre Texte verfasste. Er vergisst nicht zu betonen, dass Menschen das NT geschrieben haben.
So als ob der Tempel Kult des AT etwas schlechtes gewesen sei.
So als ob Gott diesen Tempelkult nicht sogar eingesetzt und geboten hatte.
So als ob die Lehre der stellvertretenden Sühne durch Jesu Kreuzestod, die wir im NT finden, durch eine kulturelle Kontextualisierung wegdefiniert werden könnte.
Freilich gelang es ihm nicht zu leugnen, dass das NT von der Lehre der stellvertretenden Sühne praktisch überquillt.

Er versucht nun einen anderen Begriff dagegen zu stellen, den Begriff der Erlösung – oder auch im griechischen lytton.
Mit dem bekannten Argument der Gegner der Lehre der stellvertretenden Sühne und Handbewegungen eines Tortendiagramms suggeriert er, dass die Sühnelehre nur etwa 5% des gesamten Verständnisses der Deutung von Jesu Kreuzestod ausmachen würden, während es noch zahlreiche weitere Deutungen gibt, die dem Karfreitag noch eine ganz andere Richtung geben würden.

Er erklärt dann zwar korrekt, was der Begriff Erlösung bedeutet, nämlich das Freikaufen eines Sklaven aus der Hand des Sklavenhalters. Er schließt dann aber mit der Erklärung, dass der Ablösepreis an den Teufel gezahlt wurde – eine Position die nicht haltbar ist – damit wir die Lügen des Teufels nicht mehr glauben, die vor allem darin bestehen, dass Gott zornig sein könnte.

Was denn? Ist Sünde nun einfach umdefiniert als eine falsche Sicht von Gott als “Monster”?
Sünde ist also nicht mehr
* Übertretung eines Gebotes Gottes?
* Rebellion gegen Gott?
* Innewohnende Sündhaftigkeit?
um nur einige Aspekte zu nennen, die ich gerne bei Gelegenheit mit Bibelstellen belege.
Sondern nur eine “falsche” Ansicht von Gott als Zornigem?

Und der Erlösungspreis geht an den Teufel? Nein – so mächtig ist der Teufel nicht. 
Gott muss dem Teufel nichts bezahlen. Zwar taucht diese Figur in der berühmten Narnia Geschichte von C.S. Lewis auch auf, ist aber bei genauer Überprüfung weder biblisch haltbar, noch logisch.

Es kann nur einen geben, der mächtig ist, und das ist Gott.

Erlösung, das steht in der Bibel untrennbar mit der Vergebung der Sünden in Zusammenhang. 
Hier will ich nur schnell 3 Bibelstellen nennen:

Epheser 1,7: In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade,

Kolosser 1,14: in dem wir die Erlösung haben, nämlich die Vergebung der Sünden.

Hebräer 9,15: Und darum ist er Mittler eines neuen Bundes, damit, da der Tod geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen die Verheißung des ewigen Erbes empfangen.

Auch wenn FRs Predigt es suggeriert: Erlösung und Sündenvergebung steht in der Bibel nicht im Geringsten im Gegensatz zueinander.

Am Ende wird es dann noch etwas konfus für meine Begriffe. 
Laut FR suchte Gott einen Weg um uns seine Liebe zu demonstrieren. Inwieweit aber die Kreuzigung nun eine Demonstration von Gottes Liebe sein kann – das erklärte er nicht.
Zum Glück kann ich in der Bibel nachschlagen:

Römer 5,8-9
 Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist. 9 Vielmehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn vom Zorn gerettet werden.

Also das ist die Erklärung. Die Liebe Gottes zeigt sich darin, dass wir Sünder durch die Rechtfertigung durch Jesu Blut vom Zorn (wessen Zorn? Gottes Zorn!) errettet worden sind.

Was aber FR nicht gelten lassen will. Da Gott ihm zufolge nicht zornig sein kann. Und Jesus ihm zufolge auch nicht wegen unserer Sünden gestorben ist. Oder habe ich ihn gründlich missverstanden?

Auf weitere Nebenthemen will ich in der Kürze der Zeit nicht eingehen, nämlich die Leugnung des Sündenfalls, oder fast schon die Andeutung, dass dem Sündenfall etwas Gutes innewohnen würde (Freiheit, seinesgleichen wie Gott zu sein).

In seinem hervorragenden Blogartikel “Das Kreuz – Stolperstein der Theologie” erklärt Markus Till weitere biblische Hintergründe zur Verteidigung der Lehre der stellvertretenden Sühne, den ich sehr ans Herz legen möchte. Darin sind auch wahre Bibelstellenstapel enthalten, die es praktisch unmöglich machen, die Lehre der stellvertretenden Sühne zu leugnen oder zu entwerten, wenn man eine biblische Lehre verfolgen möchte. Er stellt darin auch noch mal deutlich dar, das alle Aspekte der Erlösung und Sühne untrennbar miteinander verwoben sind.

Ebenso sei der Blogartikel “Jesu Tod als stellvertretendes Sühnopfer” von Ron Kubsch empfohlen, der dies aus einer etwas andere Perspektive mit ebenso vielen Bibelstellen aufarbeitet.

Daraus zwei wichtige Zitate:
“Es ist eben nicht ein tieferes Textverständnis, das den modernen Theologen dazu bringt, die bisherige Vorstellung der Sühnetheologie abzulehnen; es sind vielmehr Vorurteile, der die klaren Texte nicht stehenlassen kann und sie zum Schweigen bringen will.”
Und
“Die unselige Behauptung, die heutzutage häufig aufgestellt wird, dass die Vorstellung vom Sühneopfer Jesu nur eine unter vielen sei und „keineswegs besonders wichtig“, verdient unseren Unmut und Widerspruch. Das Kreuz Jesu, an dem Er stellvertretend für uns starb, ist die Mitte, das Hauptanliegen und die seligmachende Hoffnung des Evangeliums. Die Entstellung der Sühnetheologie, wie sie uns in der modernen Theologie begegnet, erschüttert die Grundfesten des Glaubens und ist schlichtweg eine Preisgabe der Rechtfertigung, durch die Gemeinde Jesu steht und fällt.”

Und zu guter Letzt möchte ich noch das Buch empfehlen, welches auf diesem Gebiet unübertroffen ist:
Das Kreuz: Zentrum des christlichen Glaubens (Deutsch)” von John Stott

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